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Was darf eine gute Flasche Wein kosten?

Vinotheksregal mit sorgfältig ausgewählten Weinflaschen verschiedener Preislagen, vom österreichischen Gebietswein bis zum burgundischen Grand Cru, in der Vinothek von magazin: in Salzburg

Das Wichtigste in Kürze

Es gibt keinen einzigen richtigen Preis für guten Wein. Zwischen einem österreichischen Gebietswein für 10 bis 15 Euro und einem Grand Cru aus dem Burgund liegen Welten. Wir zeigen, wovon der Preis wirklich abhängt, wo sich das Ausgeben lohnt und wo nicht.

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Wie viel darf ein guter Wein kosten?

Diese Frage hören wir in der Vinothek oft, und wir geben darauf nie eine Zahl als erste Antwort. Denn die ehrliche Antwort lautet: Das lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Es gibt dazu viele Meinungen, einige davon sind sogar wissenschaftlich gut untersucht, und die meisten sprechen gegen die simple Formel, je teurer, desto besser. Der Grund ist weniger, dass teurer Wein enttäuscht, sondern dass Preis und Qualität nicht in einer dringlichen direkten Verbindung stehen: Neben der Qualität im Glas bestimmen Knappheit, Nachfrage, Prestige und Marktdynamik, was eine Flasche kostet.

  • Der Preis ist mehrdeutig: In einer Studie der Universität Bonn schmeckte Probanden derselbe Wein besser, wenn ihnen ein höherer Preis angezeigt wurde. Das Belohnungszentrum im Gehirn reagierte auf den Preis von drei, sechs oder 18 Euro, obwohl immer derselbe Wein im Glas war[1]. Das zeigt nicht, dass teurer Wein schlecht wäre, sondern dass wir den Preis automatisch als Qualitätsversprechen lesen, obwohl er auch anderes signalisiert.
  • Der Preis erklärt sich nicht nur über Qualität: In einer großen Auswertung von mehr als 6.000 Blindverkostungen fanden Forschende kaum einen Zusammenhang zwischen Preis und Genuss[2]. Das liegt nicht unbedingt an den Weinen, sondern daran, dass der Preis längst nicht nur Qualität abbildet: Knappheit, Nachfrage, Prestige und Handelsmargen schlagen sich genauso darin nieder.
  • Unsere eigene Haltung: Preis und Qualität sind keine direkte Ursache-Wirkung, aber auch keine Gegensätze. Wir wählen unsere Weine danach aus, ob sie im Glas überzeugen, ob der Winzer sie mit Sorgfalt gemacht hat und ob sie zum Anlass passen, nicht danach, was das Etikett hergibt.

Ein guter Wein macht neugierig auf den nächsten Schluck, egal was er kostet. Genau deshalb lohnt der Blick dahinter: Was steckt eigentlich in einem Preis, und wo lohnt sich die Mehrausgabe wirklich?

Ab welchem Preis ist ein Wein teuer?

Teuer ist relativ, und zwar relativ zum eigenen Budget und zur eigenen Neugier. Wie bei jedem Hobby verschieben sich mit wachsender Kenntnis die Prioritäten: Am Anfang zählt der unkomplizierte Wein für das Abendessen, später möchte man wissen, warum ein Riesling aus einer einzigen Lage anders schmeckt als sein Nachbar vom nächsten Hang. Das ist keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Neugier, und die wächst mit jedem Glas.

  • Der Einstieg gelingt früh: Im Band um 10 bis 15 Euro finden Sie bereits Weine von Betrieben, die über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen haben, und zwar in ihren Basisweinen, nicht nur in den Spitzenpositionen.
  • Wer tiefer einsteigt, kauft irgendwann bewusst die engere Herkunft: den Ortswein statt des Gebietsweins, den Riedenwein statt des Ortsweins, im Burgund den Premier Cru (die zweithöchste Qualitätsstufe für eine einzelne Lage) statt des Ortsweins.
  • Niemand muss diesen Weg gehen: Viele unserer Kundinnen und Kunden trinken jahrelang gern im selben Preisband und sind glücklich damit. Aber der Weg erklärt, warum dieselbe Flasche dem einen teuer und dem anderen angemessen erscheint.

Wenn Sie also das nächste Mal vor dem Regal stehen und überlegen, ob eine Flasche ihr Geld wert ist: Fragen Sie sich lieber, was die Flasche Ihnen bieten soll. Ein unkomplizierter Abendwein für die Woche und ein lagerfähiger Riedenwein für den Keller sind zwei verschiedene Fragen, und beide haben ihre berechtigte Antwort.

Wie erkenne ich guten Wein?

Nicht am Preis und nicht an Punkten, denn der Preis bildet mehr ab als Qualität allein: Aufwand und Herkunft stecken darin, aber genauso Knappheit, Nachfrage und Prestige. Die verlässlicheren Wegweiser sind deshalb Herkunft und Winzer. Beide lassen sich ohne Fachvokabular lesen, wenn man weiß, worauf man achten muss.

  • Je genauer die Herkunft benannt ist, desto höher die Stufe: Diese Faustregel stammt aus dem Burgund mit seiner Abstufung von regionalen Appellationen über Ortsweine bis zu Premier und Grand Cru, und sie gilt in Österreich genauso. Dort heißt die Stufe dazwischen Riedenwein, benannt nach der Ried, der gesetzlich geschützten Bezeichnung für eine Einzellage.
  • Ein namentlich bekannter Winzer beweist Qualität schon im Basiswein: Wer im Spitzensegment überzeugt, macht auch seinen Einstiegswein mit derselben Sorgfalt. Deshalb stehen bei uns die Namen der Betriebe im Vordergrund, nicht die der Rebsorten allein.
  • Das eigene Glas ist der beste Maßstab: Probieren, vergleichen, wieder probieren. Am besten glasweise, etwa in der Vinothek, bevor Sie eine ganze Kiste bestellen.

So entsteht Wissen übrigens bei uns im Haus am schönsten: Wir schenken abends im Bistro dieselben Weine aus, die tagsüber im Regal stehen. Sie können also einen Abend lang mehrere Herkünfte nebeneinander vergleichen und gehen mit einem Gefühl nach Hause, welches Preisband zu Ihnen passt.

Womit muss man rechnen?

Konkreter wird es mit den Preisbändern unserer Kernherkünfte. Wir führen sie bewusst nebeneinander, denn Einstieg und Spitze gehören beim selben Winzer zusammen, und niemand soll sich ausgeschlossen fühlen, weil eine Grand-Cru-Flasche jenseits des Alltagsbudgets liegt.

HerkunftEinstieg im OnlineshopWas Sie dafür erwarten dürfen
Österreichab 9 €, die meisten Gebietsweine zwischen 10 und 15 €Gebietsweine von namentlich bekannten Winzern wie Fred Loimer aus dem Kamptal oder Bernhard Ott aus dem Wagram, die schon im Basissegment Qualität beweisen
Italienab 9 €Rotweine aus der Toskana und dem Piemont: Im Basissegment zahlen Sie ähnlich viel wie in Österreich und bekommen dafür charaktervolle Weine von bekannten Gütern
Spanienab 9 €Unser Preis-Leistungs-Tipp: Hier sind selbst barriquegereifte Weine (im kleinen Holzfass ausgebaut) aus der Rioja und dem Ribera del Duero im Vergleich zu anderen Ländern ein Schnäppchen
BurgundBourgogne Aligoté ab 15,90 €Vom Ortswein über Premiers Crus bis zu Grands Crus wie Corton-Charlemagne oder Clos Vougeot; das Basissortiment der Crus beginnt ab 30 € und findet nach oben kein Ende
BordeauxBasissortiment ab 30 €Appellationen beider Ufer, von unkomplizierten Alltagsweinen bis zu lagerfähigen Klassikern aus Saint-Émilion und Pomerol

Die Tabelle zeigt vor allem eines: Die Einstiegspreise der Herkünfte liegen näher beieinander, als viele denken. Entscheidend ist weniger der Preis der ersten Flasche als die Steigung danach, denn während manche Herkünfte ihre Qualität lange im zweistelligen Bereich halten, wird es bei den begehrtesten Lagen Burgunds schnell deutlich teurer. Wie teuer genau, lesen Sie unten im Abschnitt „Wo lohnt sich mehr, wo nicht?“.

Wovon hängt der Preis ab?

Im besten Fall ist der Preis ein eindeutiger Hinweis auf den Aufwand, der in der Flasche steckt. Billige Weine entstehen oft in großen Mengen, mit einfachem, weitgehend maschinellem Verfahren. Teurer werden Weine aus bestimmten Weingärten, mit Handlese und Fassausbau. Die Kostenseite lässt sich sogar ziemlich genau beziffern.

  • Ein Alltagswein aus einem 15-Hektar-Familienbetrieb kostet den Winzer vor Gewinn und Steuer bereits rund 7,63 € pro Flasche, gerechnet vom Weinberg über Keller, Abfüllung und Verpackung bis zum Vertrieb[3].
  • Ein Lagenwein mit Handlese, grüner Lese und Barrique schlägt deutlich mehr zu Buche: Ein Barrique-Fass kostet ab 750 € aufwärts, dazu kommen geringere Erträge und mehr Arbeitsstunden im Weinberg[3].
  • Ganz unten im Markt entstehen Weine in Millionenauflagen: maschinell geerntet, statt Barrique mit Holzlatten oder Chips im Tank, der billigste Fasswein wird am Weltmarkt für nicht mehr als zehn Cent pro Liter gehandelt. Für unter 5 € bekommen Sie daher kaum einen echten Winzerwein, sondern industriell gefertigte Massenware[3].

Enge Herkunft kostet also mit jeder Stufe: weniger Ertrag pro Hektar, mehr Handarbeit, längere Reifezeit im Keller. In Österreich erkennen Sie diese Stufen am Wort Ried auf dem Etikett, im Burgund an der Appellation. Der Preis zahlt all das mit, und genau deshalb ist er im besten Fall ein Hinweis auf Herkunft und Aufwand, nie ein Qualitätsbeweis an sich.

Wo lohnt sich mehr, wo nicht?

Bis zu einem gewissen Grad zahlt es sich immer aus: Mehr Sorgfalt im Weinberg, kleinere Erträge und Fassausbau, das schmeckt man. Ab einer bestimmten Schwelle wird die Rechnung aber schwieriger, und diese Schwelle liegt im Burgund, wo sich die Preise in Hunderterschritten bewegen. Hier dreht sich der Preis oft weniger um Produktionskosten als um Angebot und Nachfrage.

  • Die Zahlen dahinter sind beachtlich: Ein Hektar Premier-Cru-Chardonnay-Reben an der Côte d'Or kostete zuletzt im Schnitt 2,7 Millionen Euro, ein Rekordwert[4]. Die gesamte Côte d'Or umfasst nur rund 9.500 Hektar Rebfläche[4], und alle Grand-Cru-Lagen sind bereits vollständig bepflanzt.
  • Die berechtigte Gegenfrage: Ist die enorme Nachfrage nicht selbst ein Zeichen für die Qualität? Wer einmal einen Corton-Charlemagne im Glas hatte, weiß, warum diese Hänge so begehrt sind. Nicht jede Flasche im Bereich von Hunderten Euro rechtfertigt ihren Preis, aber die Herkunft dahinter ist real knapp.

Unsere Empfehlung für den Weg dorthin lautet deshalb: erst glasweise probieren, dann die Flasche kaufen. So machen es wir auf unseren Weinreisen, so machen wir es im Haus, und so empfehlen wir es Ihnen. Stöbern Sie in der Kategorie Weine aus Österreich im Onlineshop, vom Gebietswein für die Woche bis zum Riedenwein für den Keller.

Häufig gestellte Fragen

Schmeckt teurer Wein automatisch besser?

Nicht automatisch, denn Preis und Qualität stehen nicht in einer dringlichen direkten Verbindung: Der Preis bildet neben der Qualität auch Knappheit, Nachfrage, Prestige und Handelsmargen ab. Ein teurer Wein kann herausragend sein, aber der Preis allein beweist es nicht. Details dazu stehen oben im ersten Abschnitt.

Wie viel sollte man für einen guten österreichischen Wein ausgeben?

Zwischen 10 und 15 Euro. Welche Winzer und Herkünfte Sie in diesem Band bei uns erwarten dürfen, steht in der Tabelle oben.

Was kostet einen Winzer die Herstellung einer Flasche Wein?

Deutlich mehr, als das Preisschild im Discounter vermuten lässt: Vom Weinberg über Keller, Abfüllung, Verpackung und Vertrieb kommt ein Alltagswein vom Winzer auf mehrere Euro, bevor auch nur ein Cent Gewinn dazukommt. Lagenweine mit Handlese und Barrique-Ausbau schlagen noch deutlich höher zu Buche. Die Rechnung im Detail lesen Sie im Abschnitt „Wovon hängt der Preis ab?“.

Warum sind Weine aus dem Burgund so teuer?

Wegen der Knappheit: Die begehrtesten Lagen sind begrenzt und längst bepflanzt, der Preis spiegelt dort vor allem Angebot und Nachfrage. Ob die enorme Nachfrage nicht selbst ein Zeichen für die Qualität ist, diskutieren wir im letzten Abschnitt.

Ist ein Wein für unter 5 Euro wirklich schlecht?

Nicht automatisch schlecht, aber kaum Winzerwein: Unter dieser Schwelle dominieren hochautomatisierte Massenproduktion, Maschinenernte und hohe Erträge. Wer einen Wein will, hinter dem ein Mensch mit Namen steht, sollte im einstelligen Bereich nicht sparen.

Woran erkenne ich guten Wein, wenn nicht am Preis?

An der Herkunft und am Winzer: Je genauer die Herkunft benannt ist, desto höher meist die Qualitätsstufe, vom Gebietswein über den Ortswein bis zum Riedenwein. Und ein namentlich bekannter Winzer beweist Qualität schon im Basiswein. Wie Sie beides ohne Fachvokabular lesen, steht im Abschnitt „Wie erkenne ich guten Wein?“.

Bis zu welchem Preis lohnt sich mehr auszugeben?

Bis zu einem gewissen Grad fast immer, weil Sie engere Herkunft, Handlese und Fassreife mitbezahlen. Ab dem Burgund in Hunderterschritten wird die Argumentation schwierig, dort zählt vor allem die Nachfrage. Und sonst gilt, was wir oben empfehlen: die Flasche kaufen, die Ihnen im Glas wirklich geschmeckt hat.

Warum kostet Wein nicht einfach so viel, wie seine Qualität wert ist?

Weil der Preis nicht nur Qualität abbildet: Neben Aufwand und Herkunft bestimmen Knappheit der Lage, Nachfrage von Sammlern, Prestige des Namens und Handelsmargen den Preis. Deshalb kann eine Flasche teuer sein, ohne dass die Qualität proportional mitwächst, und umgekehrt.

Quellen

  1. uni-bonn.de
  2. ageconsearch.umn.edu
  3. magazin.wein.plus
  4. decanter.com
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